Scham und Schrecken über ihre Untaten haben die Deutschen nach 1945 in eine mürrisch tatenarme Ängstlichkeit gelockt. Sie wollen als Volk dies und das, aber nicht erwachsen werden. In der heutigen Welt und in Bezug auf die globalen Konflikte, etwa den Krieg zwischen Israel und seinen Todfeinden rundrum, sitzen die Deutschen wieder tatenarm auf dem hölzernen Schaukelpferd der Weltgeschichte. Rein ökonomisch ist das wiedervereinigte Deutschland ein erwachsener erfolgreicher Mann, militärisch ein halbstarker Schwächling, der wenigstens als Sanitäter und Aufbauhelfer in Krisenregionen sich von der UNO schicken lässt.
Aber weltpolitisch wollen die deutschen Kinder und Kindeskinder der Nazigeneration partout nicht runter vom Schaukelpferd einer selbstverschuldeten Unmündigkeit. Dieses Sich-aus allem-Heraushalten, diese scheuschlaue, diese lebensdumme Tatenlosigkeit im Streit der Welt ist in der praktischen Auswirkung aber ein folgenreiches Tun, will sagen: ein folgenschweres Lassen.
Aus meiner Sicht war es, wie Napoleons Außenminister Talleyerand formuliert hätte, schlimmer als ein Verbrechen, es war ein Fehler, dass Deutschland sich im Jahre 2003 nicht auf die Seite der Amerikaner und Engländer gestellt hat im Streit um den Irak.
Unter uns gesagt: Ich bin sogar der Meinung, dass im Grunde der französische Präsident Chirac und sein kleiner deutscher Kumpel, der falsche Pazifist und Bundeskanzler Schröder eine große Mitschuld am Irakkrieg der Amerikaner und Briten gegen das Terror-Regime von Saddam Hussein haben. Der Krieg vor drei Jahren hätte womöglich vermieden werden können. Warum Schuld? Weil der Diktator Hussein vorsorglich abgetreten wäre, wenn der Westen mit einer Zunge gesprochen, mit einer Faust gedroht und gemeinsam gehandelt hätte. Ja, ich denke, dass die Deutschen und die Franzosen Schuld am Schicksal dieses Monumental-Lumpen sind. Weil sie durch ihre Appeasement-Politik Saddam Hussein in Bagdad getäuscht haben, weil sie ihm vor dem Krieg die Illusion suggerierten, er käme mal wieder elegant davon und abermals durch, mit seinen totalitären Tricks, blieb der Diktator stur. Dieser ausgekochte Überlebenskünstler und panarabische Nationalsozialist der Baath-Partei in Bagdad hätte nachgegeben und das Angebot eines Luxus-Exils in Saudi-Arabien angenommen, wenn ihm damals eindeutig klar gewesen wäre, dass er aus seinen parfümierten Kitschpalästen gejagt wird und in einem stinkenden Erdloch landet. Wenn damals Saddam Hussein gewusst hätte, dass er seine monströsen Söhne verliert, seine affige Allmacht, seine kriminellen Familienbande, und am Ende in einem Eisenkäfig vor Gericht steht und am Galgen endet, hätte er den Schwanz eingezogen, denn er ist kein wahnsinniger Hitler. Der schlaue Saddam rechnete damals nicht damit, dass Bush und Blair so naiv sind und einen Krieg wagen, ohne ihre wichtigsten Verbündeten Chirac und Schröder.