Es ist schon ein paar Jahrzehnte her, dass sich der Kölner Schriftsteller und Aktionskünstler Günter Wallraff ('Ganz unten') in Athen an einen Zaun kettete, um gegen die unmenschliche Politik der griechischen Junta zu demonstrieren. Seine Aktion und anschließende Festnahme führte zu einer enormen Solidarisierungswelle mit Günter Wallraff, von den tagtäglich verfolgten griechischen Oppositionellen war so gut wie keine Rede. Es sah aus, als wäre Wallraff das einzige Opfer der herrschenden Obristen. 32 Jahre später wird der grüne Bundestagsabgeordnete Volker Beck bei einer Schwulen-Demo in Moskau angegriffen und blutig geschlagen. Die Tagesschau berichtet über den Vorfall zur Prime Time, die Kamera bleibt ganz nah an dem deutschen Abgeordneten, der mit zitternder Stimme berichtet, was passiert ist, während ihm das Blut über das Gesicht läuft. Es ist niemand da, um das Blut abzuwischen und die Wunde zu versorgen, obwohl Beck von vielen Menschen umgeben ist. Aus dem Off heißt es, die Polizei habe, statt die Demonstranten vor den rechten Schlägern zu schützen, mit den Schlägern kooperiert. Der Vorfall ist so unsäglich, dass man sich kaum traut, ein paar Fragen zu stellen, die in der allgemeinen Empörung untergegangen sind. Gab es außer Volker Beck auch andere Verletzte, die nicht von einem Team der ARD begleitet wurden? Gehört es zu den Aufgaben eines deutschen Abgeordneten, an Demonstrationen im Ausland teilzunehmen, egal wofür oder wogegen sie sich richten? Hier gehts weiter...