Berliner IntegrationsmodelleVorgestern erfolgreich, gestern gescheitert
 Heinz Buschkowsky (SPD), Bezirksbürgermeister von Neukölln |
Erst gestern veröffentlichte die Welt einen Beitrag über Integrationspolitik und Gewaltprävention im Berliner Bezirk Neukölln. Die soll so dermaßen erfolgreich und vorbildlich sein, dass sogar der französische Innenminister Nicolas Sarkozy kürzlich die Hauptstadt besuchte, um sich einige Anregungen mit nach Hause zu nehmen. Neukölln hat ca. 100.000 Zuwanderer, die Hälfte davon ist arbeitslos. Dennoch kann Bezirksbürgermeister Buschkowsky (SPD) stolz darauf verweisen, die Verbrechensrate im Bezirk im letzten Jahr um ein Drittel gesenkt zu haben.
Sarkozy soll gestaunt haben, dass es in Neukölln noch funktionierende Telefonzellen gibt, keine brennenden Autos und keine Massenschlägereien. Das Ganze soll wegen enger Zusammenarbeit zwischen Polizei, Sozial- und Jugendämtern sowie Schulen und Elternbeiräten so erfolgreich sein. Nun, beim Lesen gestern hatte ich Zweifel, ob der Bezirk Neukölln, von dem in dem Artikel die Rede war, wirklich der schaurige Bezirk Neukölln in Berlin sein soll. Als jemand, der sich mit offenen Augen durch seine Stadt bewegt - wenn auch Neukölln zu den Bereichen gehört, die man bevorzugt weiträumig umfährt - fing ich schon an, am eigenen Wahrnehmungsvermögen zu zweifeln. Fast schon mit Erleichterung konnte ich daher heute früh folgenden Beitrag aus dem Berlinteil der Welt zur Kenntnis nehmen: "Polizei verhindert Massenschlägerei" zwischen 200 Arabern und Türken. Wo? Im Berliner Bezirk Neukölln. Drei Dutzend Beamte mit Hunden waren nötig, um die Massenschlägerei zu verhindern. Dabei wurden Messer, ein Baseball-Schläger und sogar eine Machete sichergestellt. Der Streit zwischen den Jugendlichen - es geht um eine Liebesbeziehung, die die Familienclans nicht wollen - schwelt bereits seit Monaten. Die Aussage des Leiters vom zuständigen Polizeiabschnitt Andreas Retschlag: "Wir haben es hier mit Jugendlichen zu tun, die nicht gerade ein inniges Verhältnis zur Polizei pflegen. Da ist es mitunter mühsam, die notwendigen Informationen zu erhalten", war sicher unbedingt nicht das, was man Herrn Sarkozy zum Thema erzählt hat...